Evangelische Akademie im Alstertal

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„Mutig einstehen für Menschenrechte –
eine Aufgabe für Christinnen und Christen”

Vortrag am 20. Januar 2020 von Bischöfin Kirsten Fehrs

Kommunikation! Mit die­ser Er­mun­te­rung und auch Er­mah­nung be­en­de­te Frau Bischöfin Kirs­ten Fehrs ihren gut be­such­ten Vor­trag „Mutig ein­ste­hen für die Men­schen­rech­te”, den sie am 20. Janu­ar in der Simon-Petrus Kir­che hielt. Ein­ge­la­den hat­te die Ev. Aka­de­mie in der Re­gi­on Als­ter­tal unter der Lei­tung von Pas­to­rin Mar­ti­na Ditt­krist im Rah­men des Aka­de­mie-Halb­jahres­pro­gramms Grund – Rechte • Frei – Räume. Mit einer Finis­sage und dem an­schließen­den Vor­trag en­de­te die ein­drück­liche Aus­stel­lung von Amnesty Inter­natio­nal zur All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te, die man im Kir­chen­raum und -vor­raum seit dem 5. Januar besich­ti­gen konnte.

Weshalb wir Mut brau­chen, um für Men­schen­rech­te ein­zu­ste­hen? Kön­nen wir nicht un­se­re Mei­nung sa­gen, Reli­gion aus­üben, rei­sen, uns infor­mieren? Sind Men­schen­rechte nicht selbst­ver­ständ­lich? Nein, eben nicht, Bischöfin Fehrs erinnert an Hass­mails und Mord­dro­hun­gen gegen liberal Den­ken­de, Kli­ma­schüt­zer, Un­ter­stüt­zer von Flüch­ten­den. Gott sei Dank gibt es auch Bot­schaf­ten des Frie­dens, wie das Frie­dens­licht der Pfad­finder, das wir uns am Hei­lig­abend wei­ter­rei­chen, Udo Lin­den­bergs Ein­ladung „Komm wir zieh′n in den Frie­den”, das nicht nur Ham­bur­ger Kin­der erreicht.

Der Wunsch nach Frie­den ist tief in uns. Doch alleine kommt der Frie­den nicht. Als ers­tes ist Wahr­neh­mung nö­tig, führte Kirsten Fehrs aus. Wahr­neh­mung zum Bei­spiel, was es bedeu­tet, als Woh­nungs­loser nach der Ge­mein­schafts­unter­brin­gung wieder eine eigene Woh­nung, ein Namens­schild, eine Klin­gel, einen Brief­kas­ten zu be­kom­men. Neben­sächlich­kei­ten? Nein: Aner­ken­nung als Rechts­person, Artikel 6. Der sozial Schwa­che hat Rech­te. Ihre Rea­li­sie­rung macht seine ihm als Eben­bild Got­tes ange­bo­rene Würde in seinem Leben nicht nur sicht­bar, sondern erst wirk­lich. Und auch in unse­rem.

Denn am Um­gang mit den sozial Schwa­chen zeigt sich, ob und wie wir Chris­ten die Gottes­eben­bild­lich­keit ernst neh­men, durch das Ein­ste­hen für die Men­schen­rech­te, genau die des Ob­dach­lo­sen, der Frau auf dem Schlauch­boot im Mit­tel­meer, der Kin­der. Die UN-Kinder­rechts­kon­ven­tion zum Bei­spiel ist in Deutsch­land noch immer nicht umge­setzt. Bischöfin Fehrs verwies mit dem Sozio­logen und Sozial­philo­sophen Hans Joas darauf, dass der Ent­ste­hung von Rech­ten immer schlimme Erfah­run­gen voraus­gingen, gerade auch bei der For­mu­lie­rung der All­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rechte und des Grund­geset­zes der Bun­des­repu­blik Deutsch­land.

Als Chris­ten stellen wir unser Leid unter das Kreuz, nur so, in der Er­in­ne­rung an Leid, kann eine neue Ge­rech­tig­keit ent­ste­hen, kön­nen wir für Men­schen­rech­te ein­ste­hen. Tu dei­nen Mund auf, steht bei Jesaia. Lange Zeit seien die Kir­chen den Men­schen­rech­ten ge­gen­über ab­leh­nend ein­ge­stellt gewe­sen. Doch seit die Men­schen­rechte in ihr Den­ken eige­zogen seien, lebten Chris­ten anders. Kom­mu­ni­ka­tion mit den un­ter­schied­li­chen ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen, auch im inter­reli­giö­sen Dia­log, sei die jetzige Auf­gabe.

Bischöfin Fehrs berichtete von der Feier des Geburts­tags des Grund­geset­zes und ihrer Mode­ra­tion einer Tisch­ge­mein­schaft mit kontro­vers den­ken­den Men­schen. Es sei müh­sam und harte Arbeit gewe­sen, den Frie­den am Tisch zu er­hal­ten, aber mög­lich, eine Gesell­schaft habe viel­leicht auch Selbst­heilungs­kräfte. Die Men­schen zu fin­den, die sol­che posi­ti­ve Kräfte auf­wecken, dies sei Auf­gabe für uns Chris­ten. Reden, da­bleiben und zum Blei­ben und Kom­mu­ni­zie­ren er­mun­tern. Lasst uns reden, war die Bot­schaft unse­rer Bischöfin, die von den Zu­hö­rern im an­re­gen­den Nach­ge­spräch gerne auf­ge­grif­fen wurde und uns Mut macht, Grund­rechten Raum zu geben.

Marie Luise Lauterbach

Mehr zum Thema finden Sie im Internet:
Materialheft der Ev. Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema „Menschenrechte und Digitalisierung”,
#freiundgleich ist der Beitrag der EKD, damit Menschen ihre Rechte kennen,
Die EKD arbeitet auch mit im Forum Menschenrechte.

Die nächsten Termine:

28.–30.8.
Sommer­kreativ­werk­statt
ab 6. bis mind. 20.9.
Ausstellung der Er­geb­nis­se der Som­mer­krea­tiv­werk­statt
Nach dem Ab­klin­gen der ak­tu­el­len Co­ro­na-Pan­de­mie wer­den wir weitere Ver­an­stal­tun­gen pla­nen. In der Zwi­schen­zeit ver­wei­sen wir auf un­se­ren News­let­ter (s. Start­seite).